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hochschule 21 begrüßt Stephen Kausch als neuen Honorarprofessor

hochschule 21: Herr Kausch, warum haben Sie sich für eine Tätigkeit in der Wissenschaft bzw. Lehre entschieden?
Stephen Kausch: Mein ursprüngliches Ziel war es, Architektur zu produzieren, das ist mein täglich Brot. Als ich vor einigen Jahren gebeten wurde, „kurz mal für ein Semester einzuspringen", hatte ich nicht erwartet, dass mir die Zusammenarbeit mit Studierenden so viel Freude machen würde. Was mich begeistert, ist die Verbindung von Praxis und Lehre: Im Austausch mit Studierenden entstehen vielfältige Ergebnisse, von denen beide Seiten lernen. Die kontinuierliche Reflexion über architektonische Konzepte, das Erkennen individueller Potenziale und deren Förderung: das sind Aspekte, die mich auch in meiner täglichen Arbeit als Geschäftsführer antreiben. Diese Kombination empfinde ich als außerordentlich bereichernd.
hochschule 21: Sie lehren zukünftig im Bereich „Bauen und Entwerfen“. Was kann man sich darunter vorstellen und auf welche Themen dürfen die Studierenden sich freuen?
Stephen Kausch: „Entwerfen und Bauen im Bestand" vereint planerische, konstruktive und kulturelle Aspekte der Architektur. Am Anfang der Entwicklung eines architektonischen Entwurfs existiert keine „weiße Leinwand“. Jede Aufgabe ist einmalig und wird bestimmt durch stets unterschiedliche Faktoren: den Genius Loci, also den “Geist des Ortes”, sozioökonomische, ökologische, politische und kulturelle Rahmenbedingungen. Die Entwicklung von Entwurfsstrategien innerhalb dieses Spannungsfeldes steht im Mittelpunkt meiner Lehre. Es geht darum, bestehende Bausubstanz zu analysieren, zu bewerten und weiterzuentwickeln, sei es durch Sanierung, Umbau, Erweiterung oder Neukonzeption.
hochschule 21: Inwiefern spielt dabei auch das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle?
Stephen Kausch: Nachhaltigkeit ist für mich weniger eine technische Checkliste, sondern vor allem eine Frage der Dauerhaftigkeit: Architektur ist dann nachhaltig, wenn sie von Menschen angenommen und geliebt wird und konstruktiv sowie typologisch so robust konzipiert ist, dass sie langfristig Bestand hat. In meiner täglichen Büropraxis arbeiten wir an sehr unterschiedlichen Projekten. Diese Vielfalt bringe ich in die Lehre ein: Studierende sollen lernen, tragfähige städtebauliche, architektonische, konstruktive und werterhaltende Konzepte zu entwickeln, die einen hohen Praxisbezug aufweisen.
hochschule 21: Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Professor auch als geschäftsführender Gesellschafter bei DFZ Architekten tätig. Haben Sie ein Lieblingsprojekt in Ihrer beruflichen Tätigkeit?
Stephen Kausch: Ich bin der Überzeugung, dass wir als Architekten durch unseren geschulten Blick Räume subtiler lesen und dadurch stadträumliche Potenziale entdecken können, die anderen verborgen bleiben. Das zeigte sich bei einem Ort im Herzen Hamburgs, dessen Potential ich entdeckte und neben meiner normalen Bürotätigkeit „aus dem Nichts" und aus Lust am Entwerfen zu einem Projekt entwickelte. Es handelt sich um ein siebenstöckiges Wohngebäude mit 14 unterschiedlich dimensionierten Wohnungen. Mittlerweile ist die Baureife erreicht, und ich hoffe, das Projekt in diesem Jahr umzusetzen.
Es ist ein besonderes Gefühl, gleichzeitig als Planer, Projektentwickler, Bauherr und Lehrender zu agieren. Diese vielfache Perspektive schärft den Blick für das Wesentliche: Akademische Reflexion, Bauherrenrealität und Praxistest verschmelzen zu einer ganzheitlichen Erfahrung, die ich in die Lehre einbringen kann.
hochschule 21: Zum Abschluss – was hat Sie von der hochschule 21 überzeugt?
Stephen Kausch: Das Konzept des dualen Studiums überzeugt mich sehr. Die Ergebnisse, die an der hochschule 21 erzielt werden, stehen keineswegs hinter denen von „normalen" Hochschulstrukturen zurück, das Gegenteil ist eher der Fall. Durch die überschaubare Größe der Fachbereiche ist eine intensive und sehr persönliche Betreuung möglich. Die wertschätzende Art und Weise, wie sich Studierende und Lehrende untereinander begegnen, schafft eine besondere Atmosphäre, eine „Hochschulkultur", die spürbar ist.
Vielleicht liegt mir das duale Konzept auch deshalb so nahe, weil ich selbst während meines Studiums für meine damalige Professorin und Gründerin meines jetzigen Büros gearbeitet habe. Wir haben die Idee eines berufsbegleitenden Studiums also schon damals gelebt, lange bevor es ein offizielles Konzept war. Außerdem freue ich mich besonders darüber, dass die hochschule 21 im letzten Jahr ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat.
Stephen Kausch hat sein Architekturstudium an der Muthesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung in Kiel abgeschlossen. Bis 2003 war er für Dinse Feest Zurl Architekten tätig, seit 2013 leitet er gemeinsam mit Nicolas Britsch und Johann Zurlals geschäftsführender Gesellschafter die DFZ Architekten GmbH. Kausch ist seit 2020 als Lehrbeauftragter im Fachbereich Architektur an der hochschule 21 tätig.
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