Buxtehude baut interdisziplinäre Kompetenz für Profis aus Pflege, Bau und Gebäudetechnik auf

Die Menschen werden immer älter und möchten im Alter weiterhin selbstbestimmt leben. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, arbeiten Wissenschaft und Forschung an Konzepten für altersgerechte Assistenzsysteme: Ambient Assisted Living (AAL).

Unter dem Begriff AAL versteht man technische Hilfen, Dienstleistungen und Wohnkonzepte die es insbesondere älteren Menschen ermöglichen soll, in ihrem privaten Wohnumfeld selbstbestimmt leben zu können. Die hochschule 21 arbeitet zu diesem Thema an mehreren Projekten. Insbesondere als Verbundpartner des Projektes "WAALTer - Weiterbildung für AAL-Technologien erfolgreich realisieren", gefördert durch das "Bundesministerium für Bildung und Forschung", zeigt sich die hochschule 21 zukunftsorientiert und visionär!

In Zusammenarbeit mit Verbundpartnern aus Handwerk, Hochschulen, Wirtschaft und dem Gesundheitswesen gelang es, ein interdisziplinär angelegtes Weiterbildungsangebot im Bereich AAL zu konzipieren. Innerhalb des Projektes wurde die Marke "GENIAAL Weiterbilden" als Plattform für das Weiterbildungsangebot entwickelt.

Der Pilotlehrgang mit der bundesweit ersten Weiterbildung zum "Berater für generationsgerechte Assistenzsysteme (m/w)", startete am 24. Mai 2013.

Insgesamt 32 Fachkräfte aus Handwerk, Pflege und dem Sozialwesen arbeiteten innerhalb der 160 stündigen Weiterbildung (80 Stunden Präsenz) intensiv an der komplexen Thematik des zielgruppenorientierten Einsatzes von AAL-Technologien zusammen.

Prof. Dr. med. Barbara Zimmermann, Fachbereichsleitung Gesundheit und Vizepräsidentin der hochschule 21: „AAL ist nicht nur ein Thema für die Industrie, sondern vor allem ein Qualifizierungsfeld für alle, die sich mit der Lebensqualität älterer und körperlich eingeschränkter Menschen beruflich beschäftigen. Wir haben hier in Buxtehude gleich mehrere Studiengänge, deren Absolventen später mit AAL in Berührung kommen. Erstmals gab es in diesem Jahr eine gemeinsame Bachelor-Arbeit einer Physiotherapie-Studierenden und einer Bauingenieurin zum Thema altengerechtes Wohnen. Mit dem Studiengang Mechatronik können wir zum Beispiel unterstützende Technik erforschen. Dieses interdisziplinäre Potenzial gab den Ausschlag dafür, dass wir bei dem Projekt "WAALTer" die Federführung für unsere Region bekommen haben“.

Brückenschlag zwischen Handwerk, Pflege und Wissenschaft

„Architekten und Bauingenieure müssen ihre ergonomischen Standards und baulichen Konzepte interdisziplinär mit Erkenntnissen aus Medizin, Physiotherapie und Pflegewissenschaften verbinden“, erklärt Prof. Dipl.-Ing. J. Herrmann, Architekt BDA und an der hochschule 21 als Architekt mitverantwortlich für das Projekt WAALTer.

Der interdisziplinäre Charakter von AAL-Technologien erfordert ein hohes Qualifikationsniveau, das bislang nur von Beschäftigten im Forschungs- und Entwicklungsumfeld geleistet wird. Weiterbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen zum Umgang und zielgruppenorientierten Einsatz der neuen Technologien sind bislang nicht vorhanden.

Ingenieurin und Therapeutin arbeiten zusammen

Die beiden Mitarbeiterinnen der hochschule 21 sind ausgewiesene Expertinnen für den Bereich AAL:

Sandra Kriehn studierte an der hochschule 21 Bauingenieurwesen, Ann-Kathrin Kempter Physiotherapie. Die gemeinsame Bachelor-Arbeit verbindet bautechnische und physiotherapeutische Forschungsaspekte, sowie eine kritische Betrachtung des Einsatzes von AAL-Technologien in Privathaushalten. Die Arbeit wurde Ende September 2011 auf der Bachelor-Feier der hochschule 21 präsentiert.

Der Festredner Dipl.-Ing. Karsten Wischhof vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hob die Arbeit hervor und stellte das Thema "Altengerechtes Bauen" als eine der großen Wachstumschancen für die Bauwirtschaft heraus. Welches Potenzial für den Arbeitsmarkt das Thema haben wird, zeigt ebenfalls eine am 1. Oktober 2011 zum "Tag der Senioren" veröffentlichte Statistik, laut der in jedem dritten Haushalt Menschen im Alter von 65 Jahre und älter leben und rund 10 Millionen Haushalte sogar ausschließlich von Senioren bewohnt sind.

Hintergrund

"WAALTer" wird von 2011 bis 2014 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Insgesamt fördert das BMBF neun Projekte zur Entwicklung von beruflichen und hochschulischen Weiterbildungsangeboten und Zusatzqualifikationen im Bereich Altersgerechter Assistenzsystemen.

Neben dem BBZ und der hochschule 21 beteiligen sich das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum, die CKC Group Braunschweig, das Diakonische Werk Wolfsburg, die Leuphana Hochschule Lüneburg, die Oskar-Kämmer-Schule Braunschweig, die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, die Wolfsburg AG sowie die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) an dem Projekt.