2. BIM-Mittelstandsforum - eine Nachschau von Karina Witten

Am 30. September 2021 fand das zweite BIM-Mittelstandsforum der hochschule 21 statt – in diesem Jahr im Online-Format. An diesem Abend drehte sich alles um die Frage „Was geht bereits mit BIM und was wird auch in der Praxis erfolgreich umgesetzt?“. Hierbei lag der Fokus sowohl auf der allgemeinen VDI-Richtlinie als auch auf Praxisberichte aus dem Straßenbau sowie der TGA-Planung.

Zu Beginn stellte Prof. Dr.-Ing. Rasso Steinmann von der FH München den aktuellen Stand der VDI-Norm 2552 vor. Prof. Steinmann lehrt an der FH München Bauinformatik und BIM und leitet seit 2013 den VDI Fachausschuss BIM. Mit der VDI 2552 liefert der Verband einen strukturierten Ansatz für die effektive Implementierung von BIM in die Prozesse des Planens, Bauens und Betreibens, so Steinmann. Dieser ist wichtig, um Vorhaben die so tiefgreifend und umfassend sind wie die BIM-Einführung, zielgerichtet und systematisch umzusetzen. Die VDI 2552 beschreibt dazu die heute bereits international bewährten Regeln der Technik, Erfahrungen und Entwicklungen bei der Anwendung von BIM und berücksichtigt die einschlägige Standardisierung bei buildingSMART, DIN, CEN und ISO. In seinem Vortrag erläuterte Prof. Steinmann die bisherigen Inhalte und gab einen Ausblick auf die ausstehenden und geplanten Blätter der Richtlinienreihe. Unter anderem sollen Informationsaustauschanforderungen weiter definiert und konkretisiert werden. Den gesamten Vortrag können Sie hier nachträglich ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=jb5dZUaUbTQ

Dipl.-Ing. Sabrina Honig gab den Teilnehmer*innen anschließend einen Einblick in die Digitalisierung im Straßenbau aus Bauherrensicht. Seit ihrem Studium beschäftigt sich die Expertin mit dem Straßenbauwesen und leitet seit letztem Jahr das Dezernat „Planung und Umweltmanagement“ der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV). Darüber hinaus ist sie Leiterin der Projektgruppe BIM in der NLStBV und stellvertretende Sprecherin des BIM-Clusters Niedersachsen. „Auch wir haben mit der 3D-Planung angefangen und dachten damals noch `Das ist BIM´ “, so Honig. Nach heutiger Definition ist BIM natürlich weitaus mehr als nur 3D-Planung, wodurch schnell das Gefühl der Überforderung entstehen kann. Wichtig ist, so Honig, dass Unternehmen beginnen sich mit der BIM-Anwendung auseinander zu setzen und die Einführung als einen Prozess betrachten. Da BIM als Methode bereits sehr komplex ist, empfiehlt Frau Honig mit kleinen, überschaubaren Pilotprojekten zu beginnen, um erste Erfahrungen zu sammeln und einzelne Anwendungsfälle auszutesten. Die Unternehmen sollten Schritt für Schritt vorgehen und sich nicht zu viele BIM-Anwendungsfällen auf einmal vornehmen. Der Fokus sollte zunächst auf die, für das eigene Unternehmen wichtigen Anwendungen liegen, bevor dann in weiteren Pilotprojekten zusätzliche Anwendungsfälle hinzugenommen werden. Allerdings eignet sich nicht jedes Projekt als Pilotprojekt. Der Nutzen und Aufwand sollte vorher gegenübergestellt und bewertet werden, bevor die Entscheidung für oder gegen die BIM-Anwendung in einzelnen Projekten fällt, so Honig. Auch die NLStBV hat mit diversen Pilotprojekten begonnen und ist weiterhin auf der Suche nach kleinen und mittelständischen Unternehmen, um mit ihnen Erfahrungen auszutauschen und BIM-Anforderungen festzulegen und zu definieren.   

Dr. Bruno Lüdemann lenkte den Blick wieder zurück auf den Hochbau. Herr Lüdemann arbeitet bei der ROM Technik GmbH in Hamburg und leitet dort den Bereich Forschung und Entwicklung. Die ROM Technik plant, baut und betreibt technisch anspruchsvolle und komplexe Gebäude in Deutschland wie beispielsweise Einkaufszentren, Flughäfen oder smarte Büroimmobilien.

Mit seinem Vortrag gab Herr Lüdemann zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der digitalen 3D-TGA-Planung in Großprojekten. Auf Basis digitaler Modelle können inzwischen ganze Isometrien der Rohrleitungen automatisch erstellt werden, was eine Vorfertigung in der Fabrik ermöglicht, so Lüdemann. Rohrstränge werden millimetergenau vorgefertigt und müssen auf der Baustelle nur noch eingebaut und zusammengeschweißt werden, wodurch eine enorme Zeitersparnis erreicht wird. Ergänzend entwickelt die F&E-Abteilung in Kooperation mit der RWTH Aachen im Forschungsprojekt BIM2SIM Methoden, um BIM-Modelle direkt in dynamische Gebäude-, Anlagen- und Strömungssimulationen umzuwandeln. Bei Simulationsaufgaben ist die Modellierung derzeit noch der Flaschenhals, so Lüdemann. Um den Aufwand für die Planung begleitende Simulationen deutlich senken zu können, sollen Strömungsmodelle zukünftig aus IFC-Modellen generiert werden. Funktionsfähige Kollaborationsplattformen sind somit insbesondere für Großprojekte essentiell. So können alle Gewerke miteinander kommunizieren, sind zu jeder Zeit auf dem aktuellen Stand und Konfliktpotenzial kann frühzeitig reduziert werden. Zum Ende seines Vortrags gab Herr Lüdemann mit einem aktuellen Bauprojekt in Hamburg noch einen Ausblick, wie die Vernetzung von Multi-Sensorik und TGA die Umsetzung von Smart Buildings ermöglicht. „Wir sehen aktuell zwei Wege: zum einen die Modellierung des Gebäudezwillings mithilfe der BIM-Methode und zum anderen auch die Digitalisierung der Gebäude von innen aka Smart Building. Die Kür wäre es, in einigen Jahren die Gebäude mithilfe des BIM-Modells komplett zu betreiben“, schloss Lüdemann seinen Vortrag ab.

Karina Witten (M. Sc.) ist wissenschaftliche Mitarbeitern und Teil der BIREM Teams der hochschule 21