Wie geht nachhaltiges Wirtschaften? Zwei Experten berichten an der hochschule 21

Von links: Prof. Uwe Pfeiffer (Projektleiter NIREM hochschule 21), Matthias Geier (NDB Technische Systeme), Hochschulpräsident Prof. Steffen Warmbold, Karina Witten (Wissenschaftliche Mitarbeiterin hochschule 21), Dr. Ralf Trabant (Vizepräsident IHK Stade) und Alexander Krause (IHK Stade).

 

Nachhaltigkeit im Kontext unternehmerischen Handelns war das Thema einer Veranstaltung, zu der das Projektteam „NIREM“ der hochschule 21 zusammen mit der IHK Stade im Elbe Weser Raum eingeladen hatte. Rund 40 Gäste hörten zwei interessante Vorträge, die nachhaltiges Wirtschaften aus zwei Perspektiven betrachteten.

„NIREM“ steht für Nachhaltigkeitsinnovationen im regionalen Mittelstand und betitelt ein Forschungsprojekt, das die hochschule 21 unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Pfeiffer gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg durchführt. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und den Unternehmen im Themenfeld nachhaltiges Wirtschaften, Energie- und Ressourceneffizienz auszubauen und einen entsprechenden Wissens- und Technologietransfer zu verstärken.

Im Rahmen des Projekts hat sich die Kooperation „Nachhaltig wirtschaften“ zwischen der hochschule 21 und der IHK Stade gebildet. Der Wissenstransfer soll so unterstützt und noch breiter aufgebaut werden. Dafür wurde bereits eine Homepage entwickelt, die allen Akteuren eine Plattform für einen Erfahrungsaustausch, Best Practices und allgemeine Informationen zum nachhaltigen Wirtschaften bietet. Ein weiterer Projektbaustein sind Veranstaltungen, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. „Es freut uns sehr, dass bereits der erste Abend auf große Resonanz gestoßen ist. Das zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften die Unternehmer aus der Region durchaus umtreibt“, so Prof. Pfeiffer.

Mit Dr. Ralf Trabant, Vizepräsident der IHK und Geschäftsführer der Firma Eisen Trabant und Matthias Geier, Geschäftsführer von NDB Technische Systeme hatten die Veranstalter zwei Experten aus der Praxis gewinnen können, die sich aus unterschiedlichen Sichtweisen des Themas annahmen.

Eine neue Herausforderung?

Ob das nachhaltige Wirtschaften wirklich eine neue Herausforderung sei, dieser Frage ging Ralf Trabant nach. Er nahm seine Zuhörer auf eine kleine Zeitreise mit und setzte sich mit dem Begriff Nachhaltigkeit auseinander.

So habe es schon im Mittelalter die Redewendung vom „Etwas zu treuen Händen halten“ gegeben, hinter der bereits die Idee der Treuhänderschaft, also eine juristische Verwendung, stecke. Im 18. Jahrhundert, so Trabant, sei der Begriff in die Forstwirtschaft übertragen worden. „Es war die Rede von einer nachhaltenden Nutzung bei der Beforstung die Rede.“

Spätestens mit der Veröffentlichung des UN Abschlussberichts durch die sogenannte Brundtlandt-Kommission 1987 habe der Begriff auch politisches Gewicht und weltweite Bedeutung bekommen. Darin heißt es: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generationen befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“

Zwar habe die Reise in die Geschichte gezeigt, dass Nachhaltigkeit die Menschen bereits lange beschäftige, aber die globale Herausforderung, vor allem mit Blick auf den Anstieg der Weltbevölkerung, sei das „Neue“ am alten Problem, so Trabant. Im heutigen Sprachgebrauch bedeute Nachhaltigkeit in Denken und Handeln das Zusammenwirken von Sozialem, Ökologie und Ökonomie. Die Herausforderung, insbesondere für ein nachhaltiges Wirtschaften, stecke in der Ausgewogenheit aller drei Bereiche unter einer möglichst langfristigen Betrachtungsweise.

„Den ökonomischen Aspekt nie aus den Augen verlieren“

Als Best Practice (Beispiel aus der Praxis) stellte Matthias Geier die Nachhaltigkeitsaktivitäten seines Unternehmens NDB Technische Systeme vor. Matthias Geier, der 2012 in den mittelständischen Betrieb seiner Familie eingestiegen ist, räumt der nachhaltigen Unternehmensführung einen hohen Stellenwert ein. „Sicher spielen soziale und ökologische Aspekte eine wichtige Rolle, aber als Unternehmer darf ich die ökonomische Seite nie aus den Augen verlieren“, betonte Geier, denn nur so funktioniere aus Sicht des Unternehmers das Gesamtkonzept der Nachhaltigkeit.

Neben einem nachhaltigen Finanz-und Prozessmanagement, umweltfreundlichen Produkten, digitalisierten Abläufen sowie Ressourceneinsparung setzt NDB vor allem auf nachhaltiges Personalmanagement. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der Schlüssel zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Sie tragen maßgeblich zum ökonomischen Erfolg bei“, ist Matthias Geier überzeugt. Mit einem Recruitingkonzept für Auszubildende und dual Studierende, Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Bausteinen der Fürsorge, Absicherung und Wohlbefinden lebe der Familienbetrieb das Prinzip der Mitarbeiterwertschätzung und -Bindung, so Geier.

Dass sich NDB auch abseits des originären Geschäfts engagiere, zum Beispiel im Sport, Kultur und im Klimaschutz, sei sowohl selbstverständlich als auch notwendig. „Wenn wir unseren betrieblichen Standort nicht auch als Wohnort attraktiv halten, können wir gute Kolleginnen und Kollegen nicht halten.“ Der weiche Standortfaktor spiele heute eine wichtige Rolle, und so investiere das Unternehmen auch hier in Nachhaltigkeit.

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