Erfolgreiche Auftaktveranstaltung in der hochschule 21 für ein barrierefreies Buxtehude

Die Gastgeberinnen Prof. Dr. Barbara Zimmermann, Vizepräsidentin der hochschule 21 (links), und Ursula Reincke, Vorsitzende des SoVD Buxtehude. Foto: Melanie Biesenbach

„Barrierefrei“ groß zu denken, also kulturelle, sprachliche und Demographie bedingte Ebenen einzubeziehen - darum ging es bei Auftaktveranstaltung der Interessengemeinschaft „Barrierefreies Buxtehude“ und der hochschule 21 mit rund 70 Gästen.

Der Sozialverband-Ortsverband Buxtehude, der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft-Kontaktgruppe Buxtehude, die Börne e.V., die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen Buxtehude e.V., die hochschule 21, Dr. Dunja Sabra von den Stadtteileltern des Familienbildungszentrums Buxtehude (FaBiz) und der Behindertenbeauftragte der Hansestadt Buxtehude, Christian Au, haben sich in der Interessengemeinschaft zusammen geschlossen um das Thema Barrierefreiheit in der Region stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen und Betroffenen ein starkes Netzwerk zu bieten.

Im Rahmen der Kampagne „Ich bin nicht behindert. Ich werde behindert.“ des Sozialverbandes Niedersachsen e.V. entstand die Idee eine Veranstaltungsreihe zu entwickeln, die einen Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, Interessierten, öffentlichen Institutionen und Vereinen bzw. Verbänden anregen soll, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.  Der Einladung zur Auftaktveranstaltung in die hochschule 21 folgten sowohl Betroffene, Akteure als auch eine interessierte Öffentlichkeit.

„Die hochschule 21 ist mit ihren drei Fachbereichen Bauwesen, Gesundheit und Technik ein ideales Forum. Wir freuen uns, dass die Bürgermeisterin, Katja Oldenburg-Schmidt, die Schirmherrschaft für die Veranstaltungsreihe übernommen hat und wir so einen erfolgreichen ersten Abend mit durchweg positiver Resonanz hatten“, resümierte Prof. Dr. Barbara Zimmermann, Vizepräsidentin der hochschule 21 und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit.

Neben Prof. Zimmermann begrüßte Ursula Reincke vom SoVD Buxtehude die zahlreichen Gäste. Beide betonten ihre Freude über die vielen Beteiligten, auch aus Politik und Verwaltung, die nun in einem Boot säßen.

Susanne Epskamp, Leiterin der Fachgruppe Soziales, Wohnen und Senioren in Buxtehude appellierte: „Inklusion fängt in den Köpfen an, und mit dieser Veranstaltung kommen wir dem sicher ein Stück näher“. Sie verwies in ihrem Grußwort auf die bereits angeschobenen Initiativen der Stadtverwaltung: „Seit einigen Jahren bereits hat die Stadt einen Behindertenbeauftragten, der erster Ansprechpartner für viele Bürger ist. Des Weiteren haben wir immer ein festes Budget für Baumaßnahmen, die zur Verbesserung der städtebaulichen Barrierefreiheit dienen, und mit der Seniorenkonferenz haben wir eine engagierte Gruppe, die sich mit Thema Einsamkeit beschäftigt.“

Schließlich habe die Stadt Leitsätze zum Umgang mit Bauprojekten erarbeitet und so sichergestellt, dass, wo immer die Stadt Einfluss habe, zu einem bestimmten Prozentsatz bezahlbar gebaut wird. Zudem würden Senioren besonders berücksichtigt: „Das bedeutet, dass ein Teil der Wohnungen auch barrierearm oder gar barrierefrei geplant wird“, so Susanne Epskamp.

Vier Vorträge – vier Perspektiven

Vier Impulsreferate führten die Besucher in unterschiedliche Bereiche von Inklusion und Barrieren.  Über die erfolgreiche Arbeit der in 2008 gegründeten Celler Demenzinitiative berichtete Eva Küppers. Gemeinsam mit ihrem Team sowie Partnern aus Medizin und Therapieberufen hat die Initiative über die Jahre ein intensives und engmaschiges Angebot sowohl für Betroffene als auch für Angehörige geschaffen und in Celle die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz gegründet. „Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit, damit alle Menschen zum einen über die Krankheit und zum anderen über unsere Angebote erfahren“, so Eva Küppers.

„Kommunikation unterstützen – Partizipation ermöglichen“ war das Thema von Dr. Beate Lenck, Professorin im Studiengang Physiotherapie DUAL an der hochschule 21. Beate Lenck stelle unterschiedliche technische Hilfsmittel vor, die Menschen (wieder) in die Lage versetzen mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren, wenn der Einsatz von gesprochener Sprache nicht möglich ist. „In vielen Fällen ist Sprache eine Barriere, die Betroffene von ihrer Umwelt abschirmt. Sprachcomputer machen es heute möglich, diese Barriere abzubauen“, so die Professorin. Wichtig sei aber, dass sich Angehörige, Lehrkräfte und Freunde der Betroffenen ebenfalls mit der Technik auseinandersetzen möchten, eine eventuelle Scheu überwinden und auf beiden Seiten die Bereitschaft da ist, den Umgang zu erlernen.

Welche Möglichkeiten der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung die Lebenshilfe in ihren „Hansewerkstätten“ bietet, davon berichtete Ilona Fahje. Neben der Bereitstellung von Arbeitsplätzen in verschiedenen Bereichen begleiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „Hansewerkstätten“ Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in eine Tätigkeit in Unternehmen und damit häufig in den ersten Arbeitsmarkt.

Dr. Dunja Sabra erklärte abschließend wir groß der Einfluss von kulturellen Barrieren auf die Integration arabischer Menschen und das alltägliche Miteinander ist. „Manchmal reicht schon die unterschiedliche Betonung von Wörtern aus, und es entstehen Missverständnisse“, so die Referentin. Insbesondere geflüchtete Menschen würden plötzlich mitten in einem Alltag Leben, in dem anderen Werte, Normen und Regeln gelten. „Wir müssen unbedingt auf einander zugehen und unsere Verschiedenartigkeit kennen lernen, sonst schaffen wir Parallelwelten.“ Ziel sei es, eine Bikulturalität zu bilden, also beide Kulturen zu vereinen.

Einigkeit in der Politik

Seinen Abschluss fand der Abend in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der politischen Fraktionen aus dem Buxtehuder Stadtrat. Sie waren sich einig, dass Barrierefreiheit einen großen Stellenwert in der politischen Diskussion haben und die Politik weiterhin Verantwortung tragen müsse, damit Barrieren effektiv abgebaut werden können.

Flankiert wurde die Veranstaltung von einer besonderen Dokumentation von Melanie Biesenbach, die Menschen aus Buxtehude zeigt, die im Alltag mit ganz unterschiedlichen Barrieren konfrontiert werden. Die Buxtehuder Fotografin arbeitet derzeit an einer Ausstellung mit dem Titel „Barrieren ein Gesicht geben“.

Ein üppiges Buffet mit Speisen ihrer Heimatländer wurde von den Frauen des Familienbildungszentrums (FaBiz) ausgerichtet. Bereits im März 2019 soll es ein weiterer Abend zur Barrierefreiheit und Inklusion folgen. Als ein studentisches Projekt ist die Erfassung der bestehenden Angebote in diesem Zusammenhang in Planung.