"Einfach loslegen" - Referenten des Gewerbe Forums machen Mut

Thomas Nagel (Claudius Peters Projects GmbH), Martina Prox (ifu Hamburg), Rike Thee (Steinbeis Papier GmbH), Benjamin Flaig (Alfred Ritter GmbH & Co KG), Ralf Dietz (Bäckerei Dietz), Ann-Kathrin Bopp (Hansestadt Buxtehude) und Karina Witten (hochschule 21) (v.l.n.r.) Foto: Joris Grämer

Buxtehude. Dass „Ressourceneffizienz durch Digitalisierung“ schon bei uns in Buxtehuder Unternehmern gelebt wird, hat das 3. Gewerbe-Forum „Energie und Klimaschutz“ in der Hochschule 21 unter Beweis gestellt. Die dritte Auflage des Netzwerktreffens für Unternehmer – gut besucht mit rund 80 Gästen aus der gesamten Metropolregion – zeigte, dass die Digitalisierung bereits in ganz unterschiedlichen Branchen zu Reduzierung von Rohstoffverbrauch geführt hat. Als sogenannte Best-Practice referierten neben Vertretern überregionaler Unternehmen, wie der Alfred Ritter GmbH & Co. KG (Rittersport) auch Buxtehuder Unternehmen, etwa der Spezialist für Schüttgut- und Verfahrenstechnik Claudius Peters Projects GmbH sowie Ralf Dietz mit seinem Hedendorfer Bäckereibetrieb. 

Kooperationsprojekt von hochschule 21 und Hansestadt als Erfolg gewertet

Das Kooperationsprojekt zwischen der Hansestadt Buxtehude und der Hochschule 21„hat sich bereits in der Wirtschaft in Buxtehude und Umgebung etabliert. Das können wir als einen echten Erfolg werten“, sagt die Klimaschutzmanagerin der Hansestadt Buxtehude Ann-Kathrin Bopp, die das Gewerbe-Forum auch eröffnete. Der Geschäftsführer der Hochschule 21, Dr. Rolf Jäger, würdigte die Leistung der anwesenden Vorzeige-Unternehmen: „Sie zeigen, dass Sie die Digitalisierung mit Ihrem Unternehmertum als Chance für nachhaltiges Wirtschaften verstehen.“

Martina Prox vom ifu – Institut für Umweltinformatik Hamburg führte in das Thema „Ressourceneffizienz durch Digitalisierung“ ein. Sie gab einen kurzen Einblick in die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Produktions- und Wirtschaftskreisläufe. Sieunterstrich, dass Deutschland als „Effizienzweltmeister“ noch immenses Entwicklungspotenzial habe. Der allgemeine Trend in Richtung „Zero Waste Strategies“ und Minimierung des Ressourcenverbrauchs könne mithilfe digitaler Unterstützung vorangetrieben werden, etwa durch Materialflusskostenrechnung.

Nachhaltiger Erfolg nur mit engagierten Mitarbeitern

Quadratisch – praktisch – effizient: Benjamin Flaig von der Alfred Ritter GmbH & Co. KG zeigte auf, wie Unternehmen anhand eines Energie-Monitoring-Systems Produktionsprozesse transparent  darstellen und so Energie optimal nutzen können. Neben großen Kostenersparnissen gewann das Unternehmen  so auch den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2017. Erfolg habe man jedoch nur, so Flaig, wenn man nicht nur auf technische Neuerungen setze, sondern vor allem auch „wenn jeder einzelne Mitarbeiter Nachhaltigkeit schätzt und diese lebt“. 

Als ein Vertreter des global agierenden Buxtehuder Unternehmens Claudius Peters Projects GmbH, präsentierte Thomas Nagel das zukunftsorientierte Konzept der Cloud Collaboration. Mithilfe eines vom Unternehmen eingesetzten Computerprogramms, könnten Menschen an unterschiedlichen Standorten ein Bauprojekt zeitgleich digital begleiten, bearbeiten und überwachen. Nach dem Motto „das elektrische Licht ist keine Weiterentwicklung der Kerze“, forderte Nagel auf, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen. Unternehmen sollten einen Kulturwandel vollziehen und flexibler werden.

Datenflut zum eigenen Vorteil nutzen

Das energie- und ressourcenintensive Unternehmen Steinbeis Papier GmbH aus Glückstadt (produziert Papier zu 100 Prozent aus Altpapier) setzt zum einen auf Energieeffizienznetzwerke, um sich unter fachkundigen Unternehmen auszutauschen und voneinander zu lernen, und zum anderen auf die digitalen Möglichkeiten: Mithilfe einer Standardanwendungssoftware werden bei Steinbeis Papier Daten zusammengeführt und für die Identifikation von Ressourcen- und Energieeinsparpotentialen genutzt, so die Referentin Rieke Thee. Die gesammelten Daten, dienten der Optimierung verschiedener Arbeitsprozesse und der Erstellung von Prognosen. So könne die Produktion in Zukunft,  voll automatisiert ablaufen.

Den Schluss bildete Bäckereimeister Ralf Dietz, der mit zehn Filialen in der Buxtehuder Umgebung  regional bekannt ist. Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen befasst sich intensiv mit der Lebensmittelverschwendung durch die unvermeidbare Überproduktion. Statt diese wie früher an hauseigene Schweine zu verfüttern, helfen heute Sortimentsbegrenzung und flexible Bestellvorgänge. Als besondere Idee entwickelte der Hedendorfer gemeinsam mit der lokalen Brennerei Nordic den sogenannten Brotbrand. Ein Schnaps basierend auf Brotresten. Das Konzept hat Erfolg: In den Bäckereien hat sich der Schnaps im Verkauf etabliert und wird sogar in der Münchener Bar Schumanns serviert. Diese Innovation wurde mit der Nominierung für den Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung 2018 „zu gut für die Tonne“ gewürdigt.

Digitalisierung als Chance für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften

„Einfach mal machen und loslegen!“ das war das Kredo, in welchem sich alle Referentinnen und Referenten einig waren: Digitalisierung ist nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chance für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften.

Text: Hansestadt Buxtehude